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Fragen und Antworten

In der Diskussion um den Nationalpark Hunsrück werden immer wieder Befürchtungen, Sorgen und Ängste laut zu möglichen Einschränkungen oder Nachteilen, die ein solches Projekt mit sich bringen könnte. Wir haben die wichtigsten Bedenken für Sie zusammengetragen und geben ausführlich Antwort auf Ihre drängendsten Fragen.

Vergleichbare Sorgen und Ängste in Verbindung mit Nationalpark-Planungen gibt es auch in anderen Regionen Deutschlands. Wo weitere Nationalparks in der Planung sind lesen Sie hier.

Argumente und Hintergründe rund um die Ausweisung neuer Nationalparks wurden auch vomOpens external link in new window Bundesamt für Naturschutz aufbereitet.

Freizeit & Nutzung

Freizeit & Nutzung

Ist der Nationalpark weiterhin frei zugänglich?

Alle Nationalparks in Deutschland stehen der Öffentlichkeit weiterhin offen und kosten keinen Eintritt. Besucher werden über Orientierungs- und Leitsysteme zu den Attraktionen des Nationalparks geführt. In sensiblen Bereichen, insbesondere in der Kernzone, in denen die Natur ungestört bleiben soll, gelten in einigen Nationalparks Wegegebote oder Betretungsverbote. Dabei wird im Dialog mit den Nationalpark-Gemeinden nach Lösungen gesucht, die den Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung tragen.

Im geplanten Nationalpark Hunsrück sind Wegegebote nicht vorgesehen. Er darf also auch abseits der Wege betreten werden. Ausnahmen gelten lediglich für besonders schützenswerte Standorte. Wie bisher gelten hier die Regelungen des Bundeswaldgesetzes.

Darf ich im Nationalpark wandern und Rad fahren?

Wandern und Radfahren ist erwünscht. Ein aktives Naturerleben wird durch entsprechende Angebote wie etwa Führungen und Beschilderungen ausdrücklich unterstützt. Wo erforderlich, wird das Wegenetz durch Markierungen oder eine behindertengerechte Umgestaltung noch optimiert. Ein Wegeplan legt nach Abstimmung mit den Gemeinden fest, wo überall geradelt, gewandert oder geritten werden kann – und wo nicht.

Darf ich im Nationalpark weiter Beeren und Pilze sammeln?

Für den privaten Bedarf können weiterhin Beeren, Pilze und andere Waldfrüchte auf ausgewiesenen Flächen gesammelt werden. Welche Flächen das sind, werden im Nationalpark-Plan im Dialog mit kommunalen Vertretern festgelegt. Kommerzielles Sammeln in großen Mengen ist, wie schon bisher im Landeswaldgesetz geregelt, nicht gestattet.

Wie wird der Brennholzbedarf der lokalen Bevölkerung im Nationalpark gesichert?

In Nationalparks ist es nicht gestattet, in der Kernzone Brennholz zu sammeln oder zu schlagen. Dies gilt auf drei Viertel der Fläche des Schutzgebiets.

Befürchtung der örtlichen Bevölkerung ist daher, dass die Brennholzversorgung für den Eigenbedarf mit Einrichtung des Nationalparks nicht mehr gewährleistet ist. Dies hat das Land jedoch verbindlich zugesichert und im Dialog mit den betroffenen Gemeinden entsprechende Brennholzkonzepte entwickelt. Sie sollen in die Zonierung des Nationalparks einfließen.

Hiernach kann die dauerhafte Pflege-/Managementzone – bis zu 25% des Gesamtgebiets – zur Brennholzgewinnung genutzt werden. Das anfallende Laubholz soll nach Maßgabe der Konzepte ausschließlich der Versorgung der lokalen Bevölkerung mit Brennholz zu Gute kommen. Bei der Ausweisung der Managementzone sollen gezielt Bereiche einbezogen werden, die ein möglichst großes Potenzial zur Brennholzgewinnung haben und in Ortsnähe liegen.

Ergänzend sehen die Konzepte im umliegenden Staatswald außerhalb des Nationalparks „Brennholzzonen“ in Ortsnähe vor, aus denen die örtliche Bevölkerung versorgt werden wird. Zudem soll Industrieholz teilweise der Brennholzgewinnung zugeschlagen werden.

Mithilfe dieser Maßnahmen im und außerhalb des Nationalparks wird die Brennholzversorgung vor Ort auch mit einem Nationalpark Hunsrück sichergestellt sein.

Radelvergnügen im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Martin Stock
Im Nationalpark soll es keine Wegegebote geben
Gerhard Hänsel

Borkenkäfer & Wild

Borkenkäfer & Wild

Wie wird der Borkenkäfer im Nationalpark bekämpft?

Im geplanten Nationalpark soll die Holznutzung in den Kernzonen innerhalb des Entwicklungszeitraumes von 30 Jahren aufgegeben werden. Verbleibende Fichtenbestände werden dann ihrer natürlichen Dynamik überlassen. Befürchtung ist, dass durch den Bewirtschaftungsstopp angrenzende Privatwälder von einer Borkenkäferplage bedroht sind. Borkenkäfer vermehren sich bevorzugt in geschwächten Fichtenbeständen. Bei Störungen wie Windwurf, Schneebruch oder in Extremsommern kann es zu Massenvermehrungen – sogar in gesunden Beständen – kommen.

Zur Vorsorge, Kontrolle und Bekämpfung von Borkenkäfern wurde ein Waldschutzkonzept entwickelt, das eine Sicherheitszone von 1.000 Metern zu angrenzenden Fichten-Wirtschaftswäldern vorsieht. Dort wird die Borkenkäfer-Population sorgfältig überwacht. Befallene Fichten werden gefällt und abtransportiert, um einer Massenvermehrung vorzubeugen.

Ohnehin wird der Nationalpark nicht von heute auf morgen der freien Dynamik überlassen. In einer Übergangszeit von bis zu 30 Jahren (Stichwort „Entwicklungs-Nationalpark“), wird ein Borkenkäfer-Management in der Kernzone noch möglich sein. In diesem Zeitraum werden in ausgewählten Entwicklungsbereichen noch gezielte Maßnahmen unternommen, um einen möglichst naturnahen Ausgangszustand herzustellen, der langfristig ohne steuernde Eingriffe bleiben kann. Dazu zählt auch die beschleunigte Entnahme von Fichten im Zuge einer schrittweisen Umwandlung in standortheimischen Buchenwald. Eine chemische Bekämpfung der Käfer erfolgt wie bisher nicht.

In der Managementzone – bis zu 25% des Gesamtgebiets – sind Eingriffe dauerhaft möglich. Damit wird dem Borkenkäfer weiteres Brutmaterial entzogen und das Gefahrenpotential reduziert.

Und je mehr Buchen nachwachsen, umso mehr erledigt sich das Problem ohnehin „von selbst“, denn: Borkenkäfer befallen nur Fichten und bevorzugen insbesondere alte Bäume. Langfristig bleibt dem Borkenkäfer im künftigen Buchen-Nationalpark Hunsrück damit eh nichts mehr „zu beißen“.

Werden im Nationalpark die Wildbestände reguliert?

In einem Nationalpark gilt auf überwiegender Fläche das Motto „Natur Natur sein lassen“. Die Natur darf sich hier weitgehend ohne menschliche Einflussnahme nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entfalten.

Befürchtung ist, dass die Jagd eingestellt wird. In der Folge könnten sich die Wildbestände massenhaft vermehren und jenseits der Nationalpark-Grenze Wildschäden in landwirtschaftlichen Flächen oder Wäldern anrichten. Da jedoch natürliche Feinde von Hirschen und Rehen wie Luchse oder Wölfe fehlen, wird in begrenztem Umfang im Nationalpark nicht auf eine Regulierung verzichtet werden. Das zentrale Entwicklungsziel von Nationalparks wäre sonst durch Wildverbiss gefährdet: Jungbäume sollen ungestört aufwachsen können, damit eine natürliche Waldentwicklung stattfinden kann. Übermäßige Wildschäden im Außenbereich und Tierseuchen gilt es zu verhindern.

Der Eingriff in die Wildtierpopulationen wird sich jedoch streng am Schutzzweck des Nationalparks orientieren. Es gelten im Unterschied zur herkömmlichen Jagd besondere Regeln; daher spricht man in Nationalparks von Wildtierregulierung. Die angewendeten Methoden werden auf eine möglichst effektive, störungsarme und tierschutzgerechte Regulierung des Wildbestandes ausgerichtet sein. Trophäengesichtspunkte und eine kommerzielle Jagdnutzung bleiben außen vor. Die Eingriffe werden vom Nationalparkamt unter Einbindung privater Jäger durchgeführt und mit dem Nationalparkumfeld abgestimmt. Da nur Staatswaldflächen zum Nationalpark gehören werden, sind gemeinschaftliche Jagdbezirke nicht betroffen.

Die Praxis der Wildtierregulierung in Nationalparks fasst ein Positionspapier der deutschen Nationalparks zusammen.

Borkenkäfer-Fraßspuren
Rainer Pöhlmann
Natürliche Waldentwicklung nach Borkenkäferbefall im Nationalpark Bayerischer Wald
Rainer Pöhlmann

Forstwirtschaft & Arbeitsplätze

Forstwirtschaft & Arbeitsplätze

Wie wirkt sich der Nationalpark auf die Holzwirtschaft aus?

Mit Aufgabe der forstlichen Bewirtschaftung wird auch die Holznutzung auf 75 % der Nationalparkfläche langfristig eingestellt. Die Holzindustrie befürchtet mit dem Wegfall der Rohstoffe aus dem Nationalparkgebiet dramatische Konsequenzen für Einkommen und Arbeitsplätze. Der Holznutzungsverzicht vollzieht sich jedoch langsam, überdies sind mit dem Nationalpark zugleich neue wirtschaftliche Chancen verbunden.

Bevor die Säge auf großer Fläche ruht, wird in einer Übergangszeit von bis zu 30 Jahren (Stichwort „Entwicklungs-Nationalpark“, in der Kernzone noch Nadelholz entnommen. Buchenwald ist im Hochwald standortheimisch, Fichte nicht. Daher soll mit dem Waldumbau die Buche gefördert und ein möglichst naturnaher Zustand hergestellt werden, um die natürliche Waldentwicklung zu unterstützen.

In der Managementzone des Nationalparks bleibt eine Holznutzung dauerhaft möglich, soweit sie mit den Schutzzielen des Nationalparks vereinbar ist.

Im Zuge des Umbauprozesses fällt somit zunächst weiterhin Fichtenholz für die verarbeitende Holzindustrie an. In den Anfangszeiten des Nationalparks mit höheren Einschlagmengen als derzeit, später mit abnehmenden Mengen.

Insgesamt macht die aus der Nutzung genommene Naturwaldfläche allerdings nur rund ein Prozent der rheinland-pfälzischen Waldfläche aus. Ohnehin beruhen lediglich 20 % der Bruttowertschöpfung des rheinland-pfälzischen Forst-, Holz- und Papier-Sektors auf heimischem Holz. Insgesamt werden auf der Fläche des vorgeschlagenen Nationalparkgebiets zwischen 25.000 und 35.000 Festmeter sägefähiges Nadelholz eingeschlagen; dies sind lediglich 1-1,5 % der Sägekapazität des Landes. Angesichts dieser Zahlen ist der Einfluss des Nationalparks auf die Rohstoffversorgung der Holzwirtschaft somit als eher gering einzustufen. Die größte Wertschöpfungskette, der Papiersektor, benötigt keinen einzigen Kubikmeter Holz aus Rheinland-Pfalz.

Dennoch müssen die betroffenen Betriebe mittelfristig alternative Bezugsquellen für die entfallenden Holzmengen suchen und ggf. neue Anpassungsstrategien für den Umstrukturierungsprozess finden. Das ist allerdings nicht erst durch die Überlegungen einen Nationalpark zu schaffen, unabdingbar geworden.

Die Sägeindustrie befindet sich in einem Strukturwandel hin zu wenigen größeren Verarbeitungsstätten, was mit deutlichen Beschäftigungsverlusten verbunden ist. In Rheinland-Pfalz hat das gesamte Cluster Holz und Forst von 2000 bis 2007 knapp 12.000 Beschäftigte verloren. Auch der Unternehmensbestand hat sich in o.g Zeitraum um knapp 90 Betriebe reduziert.

Insbesondere für kleinere und mittlere Betriebe heißt es daher Angebotsnischen und Betriebsmodelle zu finden, um am Markt gegenüber der Konkurrenz zu bestehen.

Mit dem Nationalpark entstehen zugleich neue wirtschaftliche Alternativen mit gutem Beschäftigungspotential insbesondere in der Tourismusbranche. Damit entstehen neue Zukunftsperspektiven - eine einmalige Chance, die Region nachhaltig zu stärken und für neuen Schwung zu sorgen!

Welche Konsequenzen hat der Nationalpark für die Beschäftigten in der Forstwirtschaft?

Mit Aufgabe der forstlichen Bewirtschaftung im Nationalpark wird befürchtet, dass Arbeitsplätze bei den Forstämtern wegfallen. Fest steht jedoch, dass wegen des Nationalparks kein Mitarbeiter von Landesforsten entlassen wird. Es wird ein Überwechseln in das künftige Nationalparkamt oder Nachbarforstämter möglich sein. Wie die bestehenden Nationalparks zeigen, hat ein Nationalpark im Regelfall sogar einen höhere Personalausstattung als ein Forstbetrieb auf gleicher Fläche.

Während der Anfangsjahrzehnte des Nationalparks werden im Zuge des Waldumbaus zunächst noch weiterhin klassische forstwirtschaftliche Aufgaben anfallen (Stichwort Holznutzung). Borkenkäfer-Management und Wildtierregulierung bleiben Dauerthema im Nationalpark.

Neue Tätigkeitsbereiche kommen mit der Einrichtung des Nationalparks hinzu. Vorhandenes Personal der Landesforsten wird für einen Einsatz in diesen Bereichen qualifiziert und im neuen Nationalparkamt arbeiten. Bis zu 60 Mitarbeiter wird das Amt beschäftigen. Haupteinsatzgebiete sind die Gebietsbetreuung, die Besucherinformation und die Bildungsarbeit. Die Mitwirkung in Artenschutz- und Monitoringprojekten sowie die Verbesserung der touristischen Infrastruktur (Holzarbeiten wie Schilder- und Sitzbänkeherstellung, Wegebau) sind weitere Einsatzfelder.

Erfahrungen aus anderen Nationalparks zeigen, dass die Veränderung des Aufgabenspektrums und insbesondere der Wegfall der schweren körperlichen Arbeit von vielen ehemaligen Forstwirten sehr positiv wahrgenommen wird.

Wildtierregulierung im Nationalpark - Streng am Schutzzweck orientiert
Bruno Dittrich / EUROPARC Deutschland
In der Managementzone ist eine Holznutzung dauerhaft möglich
Gerhard Hänsel

Tourismus-(Wirtschaft)

Tourismus (-wirtschaft)

Wie wirkt sich der Nationalpark auf den Tourismus aus?

Das international bekannte Prädikat „Nationalpark“ wirkt als Touristenmagnet und hat bisher in allen deutschen Nationalparks die Besucherzahlen gesteigert. Im Nationalpark Hainich sind die Besucherzahlen beispielsweise von 25.000, kurz nach Nationalparkgründung 2008, auf ca. 365.000 Personen im Jahr 2012 angewachsen.

Insgesamt besuchen jährlich ca. 51 Millionen Menschen die 14 deutschen Nationalparks und generieren dadurch einen Umsatz von rund 2,1 Milliarden Euro. Das entspricht rechnerisch 69.000 Arbeitsplätzen, die vom Tourismus in den Nationalparks abhängen. 10,5 Millionen Besucher sind davon „Nationalpark-Touristen im engeren Sinn“, die ausdrücklich wegen der Nationalparks in die Regionen kommen.

Besser greifbar wird die Bedeutung des Nationalpark-Tourismus bei der Betrachtung konkreter Regionen. In die Eifel strömten 2007 450.000 Besucher, ein Viertel davon reiste extra wegen des Nationalparks an. Die Ausgaben der Touristen generieren Einkommen, was rechnerisch 265 Arbeitsplätzen entspricht, die vom Tourismus im Nationalpark Eifel abhängen. Das schafft Wertschöpfung und damit eine Zukunftsperspektive für den ländlichen Raum.

Perspektiven, die der Hunsrück – strukturschwacher Raum, vom demografischen Wandel und Landflucht geplagt, touristisch bisher nur wenig erschlossen – mehr als gut gebrauchen kann. Im Einzugsgebiet des potentiellen Nationalparks liegen bevölkerungsreiche Städte wie etwa Mannheim, Koblenz, Luxemburg, Ludwigshafen und das Rhein-Main-Gebiet. Das ist ein großes Besucherpotential an Tages- und Übernachtungsgästen, das es mit dem Nationalpark Hunsrück zu heben gilt!

Attraktive Nationalparkeinrichtungen locken Besucher an – hier das NationalparkZentrum Kellerwald
Nationalpark Kellerwald-Edersee

Klima & Energie

Klima & Energie

Wird wird die Energiewende trotz Nationalpark sichergestellt?

Die Energiewende ist eine Hauptaufgabe der Politik. Die Realisierung einer nachhaltigen Energieversorgung wird durch den geplanten Nationalpark nicht beeinträchtigt.

Zwar verbleibt durch den Nutzungsverzicht im Nationalpark das Holz im Wald, auch Windräder werden hier keine errichtet. Jedoch sind die aus der Nutzung fallenden Flächen im Landesvergleich derart gering (weniger als 1% der Waldfläche von Rheinland-Pfalz), dass ihr Beitrag zur Energiewende kaum zu bilanzieren wäre.

Nationalparks leisten mit ihrem Beitrag zur Kohlenstoffbindung ohnehin einen weitaus größeren Beitrag zum Klimaschutz, als die Nutzung von Holz aus dem Nationalparkgebiet je einbringen könnte.

Wie beeinflusst der Nationalpark das Klima?

Nationalparks können große Kohlendioxidmengen binden und damit die globale Klimaerwärmung abmildern. Die beabsichtigte Wiedervernässung und Renaturierung von Mooren im Hunsrück trägt hierzu bei. Moore sind die effektivsten Kohlenstoffspeicher aller Landlebensräume. Sie wirken als Kohlenstoffsenken, indem sie dauerhaft mehr Kohlenstoff (CO2) binden als sie abgeben. Damit wirken sie dem Treibhauseffekt entgegen.

Auch die im potentiellen Nationalparkgebiet heranwachsenden Buchenurwälder haben langfristig diesen Effekt. Sie speichern CO2 über 100 bis 400 Jahre und können dabei bis zu 500 Tonnen Biomasse/ Hektar ansammeln. Wirtschaftswälder akkumulieren lediglich 30% - 50% dieser Biomasse und haben somit ein geringeres CO2-Speicherpotential – so eine Studie aus dem Nationalpark Hainich.

Zwar können solcherlei Studien nicht ohne weiteres auf andere Gebiete übertragen werden, da die standörtlichen Rahmenbedingungen oft sehr unterschiedlich sind. Dennoch lassen sie den Schluss zu, dass natürliche, unbewirtschaftete alte Wälder einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Dass auch (insbesondere naturnah) genutzten Wirtschaftswäldern eine wichtige Rolle beim Klimaschutz zukommt, ist hiervon unbenommen.

Nicht zuletzt bieten nur Nationalparks die Chance, auf großer Fläche die Anpassung ungestörter Natur an Umweltveränderungen im Zuge des Klimawandels zu beobachten. Hieraus lassen sich wichtige Rückschlüsse nicht nur für den Naturschutz, sondern auch für die Forstwirtschaft ziehen. Etwa über resistente, anpassungsfähige Baumarten und geeignete Bewirtschaftungsweisen, um den sich wandelnden Umweltbedingungen zu begegnen.

Hochmoor im Hunsrück – wertvolles Biotop und Beitrag zum Klimaschutz
Gerhard Hänsel
Natürliche alte Wälder sind "Klimaschutz-Wälder"
Gerhard Hänsel

Mitsprache & Eigentum

Mitsprache & Eigentum

Wie wirkt sich der Nationalpark auf private Flächen aus?

In Rheinland-Pfalz soll der Nationalpark ausschließlich auf Staatswaldflächen ausgewiesen werden. Eigentümer ist das Land. So sind Konflikte mit privaten Eigentümern von vornherein ausgeschlossen.

Auch die saarländische Teilfläche ist zu 95% Staatswald. Für die 5% Privatwaldflächen werden einvernehmlich Lösungen ausgehandelt, um das Erreichen der Nationalpark-Zielsetzung auch dort sicherzustellen. Finanzielle Anreize, Pacht, Nutzungsverträge oder freiwilliger Flächentausch sind einige der Möglichkeiten, Einigungen herbei zu führen.

Insgesamt werden die Abgrenzung und das Management des Gebiets so ausgestaltet, dass keine negativen Einflüsse auf das Umfeld entstehen. Welche Gemeinden im geplanten Nationalparkgebiet liegen, lesen Sie hier.

Welche Mitsprachemöglichkeiten gibt es im Nationalpark?

Mit Nationalpark-Gründung wird ein Nationalparkamt eingesetzt, was fortan die Entwicklung des Nationalparks in engem Schulterschluss mit den Ministerien und dem umgebendem Naturpark Saar-Hunsrück steuert.

Ergänzend werden weitere Gremien eingerichtet (Kommunale Nationalparkversammlung, Nationalparkbeirat, Bürgerforum), in denen die heimische Bevölkerung die Nationalparkentwicklung mit gestalten kann.

Bis zur Entscheidung, ob der Nationalpark Hunsrück kommen soll, bestehen vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten im Rahmen von Nationalpark-Foren, Online-Dialogen sowie im Zuge der Erarbeitung des Gesetzesentwurfs.

100% Staatswald auf rheinland-pfälzischem Nationalparkgebiet
Gerhard Hänsel

Natur & Artenschutz

Natur & Artenschutz

Wie wirkt sich der Nationalpark auf die Artenvielfalt aus?

Mit der Stilllegung großer Gebiete in Nationalparks stellt sich die berechtigte Frage, ob das dem Naturschutz tatsächlich nutzt? Profitieren Tier- und Pflanzenarten überhaupt?

Fakt ist, dass im Nationalpark auf überwiegendem Flächenanteil die Natur ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen darf. Entsprechend dynamisch verändern sich die Bestände von Tier- und Pflanzenarten, manche entwickeln sich rückläufig, andernorts kommen Arten hinzu, die neue Lebensräume für sich erschließen und alte zurückerobern.

In der Summe steht dabei fest, dass Nationalparks ein absoluter Gewinn für die Artenvielfalt sind. Hier darf die Natur in Ruhe altern und entwickelt dadurch eine Struktur- und Stadienvielfalt – im Wald vom Keimling bis zum absterbendem Baum –, die ihresgleichen sucht. Viele Arten, besonders zahlreiche gefährdete Insekten, Pilze und Flechten profitieren von diesem Strukturreichtum. Rund ein Drittel aller im Wald vorkommenden Arten sind an Alt- und Totholz gebunden! Nur noch in Nationalparks kann sich heutzutage auf großer Fläche das gesamte Spektrum aller Phasen und Entwicklungsstufen von Wäldern entfalten. Nicht umsonst erweisen sich daher (Wald-) Nationalparks gegenüber genutzten Wäldern als echte Hotspots der Biodiversität.

Einige Arten kommen sogar nahezu ausschließlich bzw. weitgehend nur in Nationalparks vor, wie Arten die auf die Strukturen und den Totholzreichtum alter Wälder mit ihren Reife-, Zerfalls- und Verjüngungsphasen angewiesen sind. Andere Arten haben ihre Kern- und Quellgebiete für die Ausbreitung in die Kulturlandschaft in den Nationalparks, wie etwa der Luchs in den Nationalparks Harz und Bayerischer Wald, der Steinbock im Nationalpark Berchtesgaden sowie Fluss- und Seeschwalben in den Wattenmeer-Nationalparks und dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Sie sind Sympathieträger und Symbolfiguren für intakte Natur, deren Schutz überwiegend nur durch Nationalparks gewährleistet werden kann.

Nationalpark Hainich: Im Totholz „tobt“ das Leben
Thomas Stephan