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Borkenkäfer & Wild

Wie wird der Borkenkäfer im Nationalpark bekämpft?

Im geplanten Nationalpark soll die Holznutzung in den Kernzonen innerhalb des Entwicklungszeitraumes von 30 Jahren aufgegeben werden. Verbleibende Fichtenbestände werden dann ihrer natürlichen Dynamik überlassen. Befürchtung ist, dass durch den Bewirtschaftungsstopp angrenzende Privatwälder von einer Borkenkäferplage bedroht sind. Borkenkäfer vermehren sich bevorzugt in geschwächten Fichtenbeständen. Bei Störungen wie Windwurf, Schneebruch oder in Extremsommern kann es zu Massenvermehrungen – sogar in gesunden Beständen – kommen.

Zur Vorsorge, Kontrolle und Bekämpfung von Borkenkäfern wurde ein Waldschutzkonzept entwickelt, das eine Sicherheitszone von 1.000 Metern zu angrenzenden Fichten-Wirtschaftswäldern vorsieht. Dort wird die Borkenkäfer-Population sorgfältig überwacht. Befallene Fichten werden gefällt und abtransportiert, um einer Massenvermehrung vorzubeugen.

Ohnehin wird der Nationalpark nicht von heute auf morgen der freien Dynamik überlassen. In einer Übergangszeit von bis zu 30 Jahren (Stichwort „Entwicklungs-Nationalpark“), wird ein Borkenkäfer-Management in der Kernzone noch möglich sein. In diesem Zeitraum werden in ausgewählten Entwicklungsbereichen noch gezielte Maßnahmen unternommen, um einen möglichst naturnahen Ausgangszustand herzustellen, der langfristig ohne steuernde Eingriffe bleiben kann. Dazu zählt auch die beschleunigte Entnahme von Fichten im Zuge einer schrittweisen Umwandlung in standortheimischen Buchenwald. Eine chemische Bekämpfung der Käfer erfolgt wie bisher nicht.

In der Managementzone – bis zu 25% des Gesamtgebiets – sind Eingriffe dauerhaft möglich. Damit wird dem Borkenkäfer weiteres Brutmaterial entzogen und das Gefahrenpotential reduziert.

Und je mehr Buchen nachwachsen, umso mehr erledigt sich das Problem ohnehin „von selbst“, denn: Borkenkäfer befallen nur Fichten und bevorzugen insbesondere alte Bäume. Langfristig bleibt dem Borkenkäfer im künftigen Buchen-Nationalpark Hunsrück damit eh nichts mehr „zu beißen“.

Werden im Nationalpark die Wildbestände reguliert?

In einem Nationalpark gilt auf überwiegender Fläche das Motto „Natur Natur sein lassen“. Die Natur darf sich hier weitgehend ohne menschliche Einflussnahme nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entfalten.

Befürchtung ist, dass die Jagd eingestellt wird. In der Folge könnten sich die Wildbestände massenhaft vermehren und jenseits der Nationalpark-Grenze Wildschäden in landwirtschaftlichen Flächen oder Wäldern anrichten. Da jedoch natürliche Feinde von Hirschen und Rehen wie Luchse oder Wölfe fehlen, wird in begrenztem Umfang im Nationalpark nicht auf eine Regulierung verzichtet werden. Das zentrale Entwicklungsziel von Nationalparks wäre sonst durch Wildverbiss gefährdet: Jungbäume sollen ungestört aufwachsen können, damit eine natürliche Waldentwicklung stattfinden kann. Übermäßige Wildschäden im Außenbereich und Tierseuchen gilt es zu verhindern.

Der Eingriff in die Wildtierpopulationen wird sich jedoch streng am Schutzzweck des Nationalparks orientieren. Es gelten im Unterschied zur herkömmlichen Jagd besondere Regeln; daher spricht man in Nationalparks von Wildtierregulierung. Die angewendeten Methoden werden auf eine möglichst effektive, störungsarme und tierschutzgerechte Regulierung des Wildbestandes ausgerichtet sein. Trophäengesichtspunkte und eine kommerzielle Jagdnutzung bleiben außen vor. Die Eingriffe werden vom Nationalparkamt unter Einbindung privater Jäger durchgeführt und mit dem Nationalparkumfeld abgestimmt. Da nur Staatswaldflächen zum Nationalpark gehören werden, sind gemeinschaftliche Jagdbezirke nicht betroffen.

Die Praxis der Wildtierregulierung in Nationalparks fasst ein Positionspapier der deutschen Nationalparks zusammen.

Borkenkäfer-Fraßspuren
Rainer Pöhlmann
Natürliche Waldentwicklung nach Borkenkäferbefall im Nationalpark Bayerischer Wald
Rainer Pöhlmann