Sie sind hier: Nationalpark » Fragen & Antworten » Forstwirtschaft & Arbeitsplätze

 

Forstwirtschaft & Arbeitsplätze

Wie wirkt sich der Nationalpark auf die Holzwirtschaft aus?

Mit Aufgabe der forstlichen Bewirtschaftung wird auch die Holznutzung auf 75 % der Nationalparkfläche langfristig eingestellt. Die Holzindustrie befürchtet mit dem Wegfall der Rohstoffe aus dem Nationalparkgebiet dramatische Konsequenzen für Einkommen und Arbeitsplätze. Der Holznutzungsverzicht vollzieht sich jedoch langsam, überdies sind mit dem Nationalpark zugleich neue wirtschaftliche Chancen verbunden.

Bevor die Säge auf großer Fläche ruht, wird in einer Übergangszeit von bis zu 30 Jahren (Stichwort „Entwicklungs-Nationalpark“, in der Kernzone noch Nadelholz entnommen. Buchenwald ist im Hochwald standortheimisch, Fichte nicht. Daher soll mit dem Waldumbau die Buche gefördert und ein möglichst naturnaher Zustand hergestellt werden, um die natürliche Waldentwicklung zu unterstützen.

In der Managementzone des Nationalparks bleibt eine Holznutzung dauerhaft möglich, soweit sie mit den Schutzzielen des Nationalparks vereinbar ist.

Im Zuge des Umbauprozesses fällt somit zunächst weiterhin Fichtenholz für die verarbeitende Holzindustrie an. In den Anfangszeiten des Nationalparks mit höheren Einschlagmengen als derzeit, später mit abnehmenden Mengen.

Insgesamt macht die aus der Nutzung genommene Naturwaldfläche allerdings nur rund ein Prozent der rheinland-pfälzischen Waldfläche aus. Ohnehin beruhen lediglich 20 % der Bruttowertschöpfung des rheinland-pfälzischen Forst-, Holz- und Papier-Sektors auf heimischem Holz. Insgesamt werden auf der Fläche des vorgeschlagenen Nationalparkgebiets zwischen 25.000 und 35.000 Festmeter sägefähiges Nadelholz eingeschlagen; dies sind lediglich 1-1,5 % der Sägekapazität des Landes. Angesichts dieser Zahlen ist der Einfluss des Nationalparks auf die Rohstoffversorgung der Holzwirtschaft somit als eher gering einzustufen. Die größte Wertschöpfungskette, der Papiersektor, benötigt keinen einzigen Kubikmeter Holz aus Rheinland-Pfalz.

Dennoch müssen die betroffenen Betriebe mittelfristig alternative Bezugsquellen für die entfallenden Holzmengen suchen und ggf. neue Anpassungsstrategien für den Umstrukturierungsprozess finden. Das ist allerdings nicht erst durch die Überlegungen einen Nationalpark zu schaffen, unabdingbar geworden.

Die Sägeindustrie befindet sich in einem Strukturwandel hin zu wenigen größeren Verarbeitungsstätten, was mit deutlichen Beschäftigungsverlusten verbunden ist. In Rheinland-Pfalz hat das gesamte Cluster Holz und Forst von 2000 bis 2007 knapp 12.000 Beschäftigte verloren. Auch der Unternehmensbestand hat sich in o.g Zeitraum um knapp 90 Betriebe reduziert.

Insbesondere für kleinere und mittlere Betriebe heißt es daher Angebotsnischen und Betriebsmodelle zu finden, um am Markt gegenüber der Konkurrenz zu bestehen.

Mit dem Nationalpark entstehen zugleich neue wirtschaftliche Alternativen mit gutem Beschäftigungspotential insbesondere in der Tourismusbranche. Damit entstehen neue Zukunftsperspektiven - eine einmalige Chance, die Region nachhaltig zu stärken und für neuen Schwung zu sorgen!

Welche Konsequenzen hat der Nationalpark für die Beschäftigten in der Forstwirtschaft?

Mit Aufgabe der forstlichen Bewirtschaftung im Nationalpark wird befürchtet, dass Arbeitsplätze bei den Forstämtern wegfallen. Fest steht jedoch, dass wegen des Nationalparks kein Mitarbeiter von Landesforsten entlassen wird. Es wird ein Überwechseln in das künftige Nationalparkamt oder Nachbarforstämter möglich sein. Wie die bestehenden Nationalparks zeigen, hat ein Nationalpark im Regelfall sogar einen höhere Personalausstattung als ein Forstbetrieb auf gleicher Fläche.

Während der Anfangsjahrzehnte des Nationalparks werden im Zuge des Waldumbaus zunächst noch weiterhin klassische forstwirtschaftliche Aufgaben anfallen (Stichwort Holznutzung). Borkenkäfer-Management und Wildtierregulierung bleiben Dauerthema im Nationalpark.

Neue Tätigkeitsbereiche kommen mit der Einrichtung des Nationalparks hinzu. Vorhandenes Personal der Landesforsten wird für einen Einsatz in diesen Bereichen qualifiziert und im neuen Nationalparkamt arbeiten. Bis zu 60 Mitarbeiter wird das Amt beschäftigen. Haupteinsatzgebiete sind die Gebietsbetreuung, die Besucherinformation und die Bildungsarbeit. Die Mitwirkung in Artenschutz- und Monitoringprojekten sowie die Verbesserung der touristischen Infrastruktur (Holzarbeiten wie Schilder- und Sitzbänkeherstellung, Wegebau) sind weitere Einsatzfelder.

Erfahrungen aus anderen Nationalparks zeigen, dass die Veränderung des Aufgabenspektrums und insbesondere der Wegfall der schweren körperlichen Arbeit von vielen ehemaligen Forstwirten sehr positiv wahrgenommen wird.

Wildtierregulierung im Nationalpark - Streng am Schutzzweck orientiert
Bruno Dittrich / EUROPARC Deutschland
In der Managementzone ist eine Holznutzung dauerhaft möglich
Gerhard Hänsel